Wenn ein Muslim Alkohol trinkt, geht er dann ins Höllenfeuer?

Alles Lob gebührt
Allah.

Erstens:

Jeder, der als
Muslim, der die Einzigkeit Allahs des Erhabenen anerkennt und praktisch
umsetzt, stirbt, wird am Ende ins Paradies eingehen.

Und diese
Muslime, die Allahs Einzigkeit anerkennen und in ihren Taten umsetzen, und die
die Bewohner des Paradieses sein werden, werden in zwei Kategorien eingeteilt:

Diejenigen unter
ihnen, die direkt von Beginn an ins Paradies eingehen, was bedeutet, dass sie
das Höllenfeuer nie betreten werden.

Und diejenigen
unter ihnen, die zuerst ins Höllenfeuer gehen werden. Dort wird die
jeweilige Person so lange für ihre Sünden bestraft, wie Allah will. Dann wird
sie aus dem Höllenfeuer herauskommen, und ihre endgültige
Bleibestätte wird das Paradies sein. Und diese sind, die die Gelehrten „die
Sündigen“ nennen unter denjenigen, die Allahs Einzigkeit bezeugen und umsetzen,
oder „die Leute der großen Sünden“.

Diese bleiben
also nicht für ewig im Höllenfeuer, selbst wenn sie hineinkommen. Sie
bleiben so lange im Feuer, wie Allah es für sie gewollt hat, kommen dann heraus
und gehen ins Paradies ein. Und niemand bleibt für ewig im Höllenfeuer
außer dem, der Ungläubig ist.

Und dies wurde
bereits in der Antwort auf die Frage Nr. (169677) verdeutlicht.

Zweitens:

Die Sünder unter
denjenigen, die Allahs Einzigkeit bezeugen und umsetzen, oder „die Leute der
großen Sünden“ unter ihnen –und derjenige, der Alkohol trinkt,
gehört zu diesen- sind zweifelsohne von der Strafe im Höllenfeuer für
ihre Verbrechen bedroht. Ohne jeden Zweifel verdienen sie diese Strafe, und
ganz sicher werden sehr viele von ihnen wegen dieser Verbrechen ins
Höllenfeuer gehen. Jedoch ist es nicht möglich, mit Sicherheit zu
sagen, dass diese oder jene bestimmte Person zu jenen Leuten gehört und ins
Höllenfeuer und nach diesem ins Paradies gehen wird. Denn es gibt viele
Gründe für eine Aufhebung dieser Strafe, durch die selbst jemand, der
große Sünden begangen hat, vor dem Höllenfeuer gerettet wird.

Zu diesen Gründen
gehört die Reue (At-Tawbah), denn „derjenige, der die Sünde bereut, ist
wie jener, der keine Sünde hat“, wie der Prophet (Ehre und Heil auf ihm) sagte
(Überliefert bei Ibn Maajah, 4250; und Al-Albaany hat diese
Überlieferung in seinem Werk „Sahiih Sunan Ibn Maajah“ als „gute“
Überlieferung –Hadiith hassan- eingestuft).

Zu diesen Gründen
zählt auch, Allah um Vergebung zu bitten. So kann es sein, dass der Mensch
seinen Herrn in einem Bittgebet um Vergebung seiner Sünde anfleht und Allah
dieses Bittgebet erhört.

Zu diesen Gründen
gehören auch die guten Taten, die die Sünden tilgen. Es kann sein, dass
derjenige, der eine Sünde beging, gewaltige, gute Taten vollbringt, die diese
Sünde tilgen, oder dass seine guten Taten die schlechten überwiegen und er
somit nicht ins Höllenfeuer gehen wird.

Zu diesen Gründen
gehören die Schicksalsschläge, die den Muslim im diesseitigen Leben
treffen, und die die Sünden ebenfalls tilgen. Es kann also sein, dass
denjenigen, der eine Sünde beging, ein (vermeintliches) Unheil trifft, das
diese Sünde tilgt, und dadurch die Strafe im Jenseits aufgehoben wird und er
nicht ins Höllenfeuer geht.

Zu diesen Gründen
gehört das Bittgebet eines Gläubigen, in dem er Allah um Vergebung
für denjenigen, der eine Sünde begangen hat, bittet, wie z.B. während dem
Totengebet für diesen verstorbenen Sünder. Es kann sein, dass Allah das
Bittgebet derjenigen, die für ihn das Totengebet beten, erhört und ihm
dadurch verzeiht.

Und es gibt noch
andere Gründe.

Es kann auch
sein, dass Allah, der barmherzigste der Barmherzigen, dem sündigen Muslim von
Beginn an vergibt, und er somit nicht für seine Sünde bestraft wird. Und dies
ist der stärkste Grund für die Errettung vor der angedrohten Strafe und
der stärkste Umstand, der verhindert, dass der Sünder zu jenen
gezählt wird, die diese Strafe schmecken werden.

So sagt Allah der
Erhabene (in der ungefähren Bedeutung Seiner Worte in deutscher Sprache):
„Allah vergibt gewiß nicht, daß man Ihm (etwas) beigesellt. Doch
was außer diesem ist, vergibt Er, wem Er will.“ (Qur’an 4:48)

Dieser Vers des
Qur’an spricht über jene Sünder unter denjenigen, die Allahs Einzigkeit
anerkennen und umsetzen, die nicht bereut haben. So kann es sein, dass ein Muslim
stirbt, während er hartnäckig an einer der großen Sünden
festhielt und diese nicht bereute, Allah der Erhabene in Seiner Barmherzigkeit
und Gnade aber nachsichtig gegenüber dieser Sünde ist, und er somit nicht ins
Höllenfeuer geht.

Siehe auch die
Antwort auf die Frage Nr. (175522).

Wenn aber
keinerlei Umstände gegeben sind, die die Strafe im Jenseits und das
Höllenfeuer von demjenigen, der eine große Sünde begangen hat,
abwenden, und Allah der Erhabene im nicht vergeben will, so ist es
unausweichlich, dass dieser Sünder im Höllenfeuer bestraft wird, bis er
von seinen Sünden gereinigt aus dem Feuer heraus ins Paradies eingehen wird.

Zusammengefasst
ist die Antwort auf die gestellte Frage: Der Muslim, der Alkohol trinkt –und
jeder andere Muslim, der eine große Sünde begeht- befindet sich in
großer Gefahr, wenn er seine Sünde nicht bereut und von ihr ablässt.
Und ihm wird von Allah dem Erhabenen das Höllenfeuer angedroht, das er,
wenn er es betritt, irgendwann verlassen wird, um ins Paradies einzugehen.

Jedoch soll sich
der Diener Allahs nicht täuschen lassen, so dass er evtl. dazu ermutigt
wird, Allah gegenüber ungehorsam zu sein, indem er sich darauf verlässt,
dass er nicht ewig im Höllenfeuer bleibt. Allahs Strafe ist schwer,
schmerzhaft und nicht auszuhalten!

Wenn du dies
realisieren möchtest, so stelle dir vor, dass du in ein Feuer des
Diesseits geworfen wirst, und ein Jahr, einen Monat oder auch nur einen Tag
darin verweilst. Würdest du so etwas zulassen? Würdest du so etwas aushalten?

Und alle Arten
von Feuer des diesseitigen Lebens zusammengenommen sind nichts im Vergleich zu
einem einzigen, kurzen Eintauchen ins Feuer der Hölle, möge Allah der
Großzügige uns in Seiner Gnade und Freigiebigkeit davor bewahren.

Wer kann
außerdem dem Sünder, der die Strafe Allahs herausfordert, garantieren,
dass er nach seinen Vergehen und Sünden noch auf dem Glauben an die Einzigkeit
Allahs (also: Muslim) bleiben wird?

Was kann ihn vor der
(zu seiner Bestrafung geschmiedeten) Ränke Allahs schützen?

Was kann ihn davor
schützen, dass sein Herz (von der Wahrheit) abweicht und er dazu verführt wird,
den Glaube an die Einzigkeit Allahs (den Islam) zu verlassen, woraufhin er (zu
seinem Schutz) nichts außer seine Sünden und Verbrechen finden wird (,
die ihn dann nicht schützen können).

Möge Allah
der Erhabene uns im Diesseits wie dem Jenseits in seine Gnade und Vergebung
einhüllen.

Und Allah
weiß es am besten.