Allah schenkte mir die Gunst nach Wissen streben zu können. Was sind nun die Anstands-/Benimmregeln, von denen ihr ratet, sich an sie zu halten.

Alles Lob
gebührt Allah

Zum Streben
nach Wissen gibt es eine Reihe an Anstandsregeln, an die sich der Student
des Wissens halten sollte. Hier sind einige Gebote und Anstandsregeln auf
dem des Studiums, und vielleicht wird Allah dies zu einem Nutzen für dich
machen.

1. Die
Geduld:

O edler
Bruder, gewiss, das Streben nach Wissen gehört zu den edelsten
Angelegenheiten. Und das Höchste kann nur durch eine Brücke der Anstrengung
erlangt werden.

Abu Tamaam
sagte, und sprach sich selber an:

„Lass mich
das Höchste erlangen, was nicht erlangt werden kann, denn das Erreichen der
hohen Dinge ist schwer und das der Leichten ist leicht.

Du willst
die edlen Dinge ohne Aufwand erlangen, doch Honig kann nicht ohne
Bienenstiche gesammelt werden.“

„So sei
geduldig und beharre auf der Geduld. Denn wenn die Abmühe nur eine Stunde
der Geduld erfordert, so muss man für das Streben nach Wissen bis zum
Lebensende geduldig sein. Allah -erhaben ist Er- sagte: „O die ihr glaubt,
geduldet euch, haltet standhaft aus, seid kampfbereit und fürchtet Allah,
auf dass es euch wohl ergehen möge!“ [Al
‚Imran:200]

2. Aufrichtige Taten:

Halte dich an die Aufrichtigkeit bei deinen Taten. Deine
Intention soll das Angesicht Allahs und das Jenseits sein. Und hüte dich
davor Augendienerei zu begehen, es zu lieben, dich zu zeigen und deinen
Gleichgestellten/Kollegen/Gefährten gegenüber hochmütig zu sein. Denn der
Gesandte Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- sagte: „Wer nach Wissen
strebt, um mit den Gelehrten zu konkurrieren/Schritt zu halten, oder mit den
Toren zu streiten oder um die Gesichter der Leute auf sich zu lenken, so
wird Allah ihn in das Höllenfeuer eintreten lassen.“ Überliefert von
An-Nasaa’i (2654) und Al-Albaani stufte dies in „Sahih An-Nasaa’i“ als gut
ein.

Allgemein: Halte dich daran dein Äußeres und Inneres von
jeder großen und kleinen Sünde zu reinigen.

3. Nach dem Wissen zu handeln:

Wisse, dass das Handeln nach dem Wissen die Frucht des
Wissens ist, denn wer lernt und nicht danach handelt, der ähnelt den Juden,
über die Allah in Seinem Buch das übelste Gleichnis machte, so sagte Er:
„Das Gleichnis derjenigen, denen die Tore auferlegt wurde, die sie aber
hierauf doch nicht getragen haben, ist das eines Esels, der Bücher trägt.
Schlimm ist das Gleichnis der Leute, die Allahs Zeichen für Lüge erklären.
Und Allah leitet das ungerechte Volk nicht recht.“ [Al-Jumu’a:5]

Und wer ohne Wissen handelt, der ähnelt den Christen, welche
die genannten Irregehenden, in Sure Al-Fatiha, sind.

Und bezüglich der Bücher, die du studieren solltest, so wurde
dies in der Frage Nr. 20191 erwähnt. Dies sollte, aufgrund der Wichtigkeit,
nachgeschlagen werden.

4. Sich immer bewusst sein, dass Allah einen beobachtet:

Halte dich daran, dir immer bewusst zu machen, dass Allah
-erhaben ist Er- dich im Geheimen und Öffentlichen beobachtet. Gehe zu
deinem Herrn in einer Balance zwischen Furcht und Hoffnung, denn diese
beiden sind für den Muslim wie zwei Flügel für den Vogel. So komm zu Allah
komplett, dein Herz soll sich mit der Liebe zu Ihm füllen, deine Zunge mit
Seiner Andacht. Sei froh und glücklich mit Seinen Regeln und Weisheiten
-gepriesen ist Er-.

Sprich in jeder Niederwerfung oft Bittgebete, dass Er dir
Erfolg verleiht und dir nützliches Wissen schenkt. Denn, wenn du mit Allah
wahrhaftig bist, so wird Er dir Erfolg verleihen, dir helfen und dich die
Stufe der rechtschaffenen Gelehrten erreichen lassen.

5. Nutze die Zeiten aus:

O du kluger Mensch, verbring deine Jugend und deine (gesamte)
Lebenszeit mit dem Lernen. Lass dich nicht von Aufschiebungen und Hoffnungen
täuschen, denn jede Stunde, die von deinem Leben vergeht, kannst du nicht
ersetzen. Wenn du kannst, dann brich alle ablenkenden Beziehungen ab und
entferne dich von Hindernissen, welche dich daran hindern vollständig zu
studieren und bemühe dich beim Lernen, denn sie (die Hindernisse) sind wie
Straßenräuber. Deshalb sahen die Altvorderen es als wünschenswert an, sich
von der Familie und dem Heimatland zu entfernen. Denn wenn sich die Gedanken
verteilen, kann man keine Fakten und Details wahrnehmen. Allah hat keinem
Mann zwei Herzen in seinem Inneren gemacht. Genauso sagt man, dass dir das
Wissen keinen Teil von sich gibt, wenn du ihm nicht alles von dir gibst.

6. Eine Warnung:

Hüte dich davor, dich am Anfang deines Studiums mit den
Meinungsverschiedenheiten zwischen den Gelehrten, oder den Menschen
überhaupt, zu beschäftigen. Denn dies verwirrt den Geist und versetzt den
Verstand in Erstaunen. Hüte dich auch vor „Musannafaat“ (sehr große Werke),
denn sie werden deine Zeit verschwenden und deinen Geist zerstreuen. Gib
vielmehr dem Buch, das du liest, oder der Kunst, der du nachgehst, deine
volle Aufmerksamkeit, so dass du es beherrschst. Hüte dich auch davor von
einem Buch zum nächsten zu springen (bevor du das eine zu Ende gelesen
hast), denn dies ist ein Zeichen von Unmut und Erfolglosigkeit. Kümmere dich
in jeder Wissenschaft um das allerwichtigste.

7. Genauigkeit und Präzision:

Strebe danach, das präzise zu verbessern/korrigieren, was du
auswendig lernen möchtest, entweder über einen Schaikh oder anderweitig, was
dir hilft. Dann sollst du es gefestigt auswendig lernen, es oft wiederholen
und dich täglich zu bestimmten Zeiten dafür verpflichten, damit du nicht
vergisst, was du auswendig gelernt hast.

8. Das Lesen/Studieren von Bücher

Nachdem du die zusammengefassten Bücher auswendig gelernt
hast, sie mit ihren Erläuterungen beherrschst und die Unklarheiten und
wichtigen nützlichen Dinge darin genau kennst, sollst du mit den
detaillierten Büchern weitermachen, sie immer lesen, die wertvollen
nützlichen Dinge, detaillierten Thematiken und fremden Zweige notieren, die
Probleme und Unterschiede zwischen ähnelnden Regeln von allen Arten der
Wissenschaften lösen. Und schätze keinen Nutzen, den du hörst, und keine
Regel, die du verstehst, gering, vielmehr sollst du dich beeilen sie zu
notieren und auswendig zu lernen.

Deine Motivation im Streben nach Wissen soll hoch sein, so
sollst du dich mit wenig Wissen begnügen, obwohl du mehr lernen kannst.
Stell dich nicht mit einem kleinen Teil des Erbes der Propheten -der Friede
sei auf ihnen- zufrieden und schieb nie auf, einen Nutzen zu
erlangen/lernen, die du beherrschst. Außerdem dürfen dich Hoffnungen und
Aufschiebungen nicht davon ablenken, denn das Aufschieben birgt Katastrophen
und wenn du ihn (den Nutzen) jetzt erlangst, dann kannst du in der nächsten
Zeit etwas anderes erlangen.

Nutze deine Freizeit, deine aktive Zeit, deine Gesundheit,
deine Jugend und die Zeit, in der du wenig abgelenkt bist, bevor dich die
Untätigkeit und Verantwortungen daran hindert.

Du solltest dich darum kümmern die Bücher zu bekommen, die du
brauchst, wenn du kannst, da sie das Werkzeug des Lernens sind. Lass die
Beschaffung dieser Bücher und ihre große Anzahl dein einziges Glück vom
Wissen sein. Vielmehr sollst du davon, so gut du kannst, Nutzen erlangen und
profitieren.

9. Einen Gefährten aussuchen:

Strebe danach, dir einen rechtschaffenen Gefährten zu suchen,
der sich viel mit dem Wissen beschäftigt und eine gute Natur hat, damit er
dir hilft deine Ziele zu erreichen, die nützlichen Dinge (die du gelernt
hast) zu vervollständigen, dich anregt noch mehr zu studieren und den Unmut
und die Strapazen erleichtert. Er soll bezüglich seiner Religion,
Vertrauenswürdigkeit sein, schöne Charaktereigenschaften haben und mit Allah
aufrichtig sein, ohne zu spielen und achtlos zu sein.

Siehe „Tadhkira As-Saami’“ von Ibn Jamaa’a.

Und hüte dich vor einem üblen Gesellen, denn man kann
beeinflusst werden. Menschen sind wie eine Schar Tauben, die dafür
geschaffen sind, sich einander zu ähneln. So hüte dich vor dem Umgang mit
solcherlei, denn es ist eine Krankheit und vorzubeugen ist besser als
heilen.

10. (letzte) Sich nach seinem Schaikh zu richten:

Da das Wissen Anfangs nicht von Büchern entnommen werden
kann, muss du einen Schaikh haben, durch den du die Schlüssel des Studiums
erlangst und von Fehlern sicher bist. So musst du höflich zu ihm sein, denn
dies ist der Weg zum Erfolg. So sollst du deinen Schaikh ehren, ihn mit
gutem Benehmen, wenn du mit ihm sitzt und redest, ihm auf schöne Weise
Fragen stellen, ihm zuhören, vor ihm mit gutem Benehmen das Buch studieren.
Du darfst nicht vor ihm anmaßend sein oder streiten, ihn nicht mit Worten
zuvorkommen, vor ihm laufen oder vor ihm viel reden, ihn nicht, wenn er
redet oder während dem Unterricht, mit eigenen Worten unterbrechen, auf eine
Antwort bei ihm beharren. Stell ihm nicht zu viele Frage, besonders nicht
vor anderen Leuten. Denn du wirst dadurch getäuscht und er gelangweilt. Rufe
ihn nicht allein mit seinem Namen oder seinem Spitznamen, sag lieber: „mein
Schaikh … unser Schaikh …“

Und wenn du bei deinem Schaikh einen Fehler oder eine
Einbildung siehst, dann darf er dadurch nicht in deinen Augen fallen, denn
dies ist ein Grund dafür, dass dir Wissen verwehrt wird. Und wer ist denn
von Fehlern befreit?“

Siehe „Hilya Talib Al-‚Ilm“ von Schaikh Bakr Abu Zaid.

Wir bitten Allah für uns und für dich um Erfolg und
Standhaftigkeit, dass Er uns den Tag zeigt, an dem du ein Gelehrter der
Muslime wirst, eine Autorität in der Religion Allahs und ein Imam der
Gottesfürchtigen. Amin … Amin .. Auf Wiedersehen. Und der Friede sei auf dir.