Weshalb gab es damals keinen Vorbeter (Imam) für das Totengebet des Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm-.

Alles Lob
gebührt Allah

Erstens:

Es wurde durch
viele authentische Überlieferungen bestätigt, dass die Prophetengefährten
-möge Allah mit ihnen zufrieden sein- das Totengebet für den Propheten
-Allahs Segen und Frieden auf ihm- einzeln verrichtet haben und nicht in der
Gemeinschaft.

Von Abi ˈAsiib
oder Abi ˈAsiim -möge Allah mit ihm zufrieden sein- wurde überliefert, dass
er dem Totengebet für den Propheten Allahs Segen und Frieden auf ihm-
beiwohnte. Sie (die Prophetengefährten) sagten: „Wie sollen wir für ihn das
Gebet verrichten?“ Er sagte: „Tretet gruppenweise hinein.“ Er sagte: „Sie
traten durch diese Tür hinein und verrichteten für ihn das (Toten-)gebet,
worauf sie dann durch die andere Tür hinausgingen.“
Überliefert von Imam Ahmad in „Al-Musnad“ (34/365), hrsg. Von der
„Ar-Risalah“ Stiftung.

Die Überprüfer
dieser Ausgabe sagten:
„Seine Überlieferungskette ist authentisch (Sahih) und seine Überlieferer
sind vertrauenswürdig und gehören zu den Überlieferern von Al-Bukhary und
Muslim, bis auf Hammad Ibn Salamah, der einer der Überlieferer bei Muslim
ist.

Die Geschichte
bezüglich des Totengebets wird durch einen Hadith von Ibn ˈAbbas bei Ibn
Majah (1628) und von Sahl Ibn Saˈd bei Al-Bayhaqi in „Ad-Dalail“ (7/250)
attestiert. Beide Überlieferungen sind schwach (Daˈif).“

Ibn ˈAbdilbarr
-möge Allah ihm barmherzig sein- sagte:
„Was das betrifft, dass die Leute für ihn (sprich den Propheten -Allahs
Segen und Frieden auf ihm-) das Gebet einzeln verrichtet haben, so sind sich
die Biographieschreiber und die Überlieferer darüber einig. Es gibt keine
Meinungsverschiedenheit diesbezüglich.“
[Ende des Zitats aus „At-Tamhid“ (24/397)]
Wer sich über alle zu dieser Thematik vorhandenen Überlieferungen
informieren möchte, soll ich des „Al-Musannaf“ von ˈAbdurrazzaq As-Sanˈani
(3/473) bedienen und das Kapitel: „Wie wurde das Totengebet für den
Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- verrichtet?“ anschauen, und
„Al-Musannaf“ von Ibn Abi Schaybah (14/552) – das Kapitel: „Was wurde über
den Tod des Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- überliefert“.
Desweiteren „Al-Badr Al-Munir“ von Ibn Mulaqqin (5/274-279), „At-Takhlis
Al-Habir“ von Ibn Hajar (2/290,291) und „Al-Khasais Al-Kubra“ von As-Suyuti
(2/412/413).

Zweitens:
Dafür, dass die Prophetengefährten das Totengebet für den Propheten -Allahs
Segen und Frieden auf ihm- einzeln verrichtet haben, erwähnen die Gelehrten
-möge Allah ihnen barmherzig sein- viele Gründe, welche wären:

Der erste Grund:
Einige Gelehrten sagen, dass dies aufgrund des Vermächtnisses des Gesandten
Allahs -Allahs Segen und Frieden auf ihm- an seine Gefährten geschah, dass
sie es nämlich einzeln für ihn verrichten sollen. Dieses wurde jedoch nicht
durch eine authentische Überlieferungskette bestätigt, sondern in einigen
schwachen Ahadith überliefert.

As-Suhayli -möge
Allah ihm barmherzig sein- sagt:
„Dies hat eigens mit ihm -Allahs Segen und Frieden auf ihm- zu tun, wobei
diese Handlung nur auf dem Weg des „Tauqif“ erfolgen kann (sprich von Allah
oder Seinen Gesandten angeordnet und nicht schlussgefolgert). Ebenso wurde
es überliefert, dass er es als Vermächtnis hinterlassen hat, was von
At-Tabari mit einer geschlossenen Überlieferungskette überliefert wurde.

Die
rechtswissenschaftliche Sicht darauf ist, dass Allah -gepriesen ist Er- das
Gebet für ihn verpflichtend gemacht hat, und zwar durch Seine Worte: „O die
ihr glaubt, sprecht den Segen (As-Salah/Gebet) über ihn und grüßt ihn mit
gehörigem Gruß.“ [Al-Ahzab 33:56]
Das Urteil dieses Gebets, welches der Vers umschließt, ist, dass es ohne
einen Imam (Vorbeter) erfolgt. Dabei wird das (Toten-)gebet für ihn nach
seinem Ableben von dem Wortlaut des Verses umschlossen. So impliziert es
jedenfalls der Vers.“
[Ende des kurzgefassten Zitats]
Der zweite Grund:
Das starke Wetteifern miteinander, um diese große Ehre zu erlangen, die
Menschen im Gebet für den Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm- zu
leiten, aus Liebe zu ihm -Allahs Segen und Frieden auf ihm-. Es ist diese
gewaltige Liebe, bei welche keine Selbstlosigkeit und Nachsicht (dem anderen
Gegenüber) zulässt, sondern einen Wetteifer zu Folge hat, in seiner -Allahs
Segen und Frieden auf ihm- Nähe zu sein, und zwar das letzte Mal in diesem
vergänglichem Diesseits. Und dies vor allem vor dem Hintergrund dessen, dass
die Nachfolgeschaft (Khilafa) und Führung der Muslime derzeit noch nicht
endgültig beschlossen wurde und es nicht bekannt war, wer derjenige sein
wird, der sich der Angelegenheit der Muslime annehmen wird, um sie im Gebet
zu leiten. Sie waren daher bestrebt die Einheit der Muslime zu wahren und
abzuwarten, sich auf einen unter ihnen zu einigen, der ihr Führer (Imam),
dem gefolgt wird, sein wird. Der Khalif ist derjenige dann, der die Muslime
in den Gebeten leitet.
Imam Asch-Schafiˈi -möge Allah mit ihm zufrieden sein- sagt:
„Die Menschen verrichteten einzeln das Totengebet für den Gesandten Allahs
-Allahs Segen und Frieden auf ihm-, ohne einen Vorbeter. Dieses aus dem
Grund der Wichtigkeit der gewaltigen Angelegenheit des Gesandten Allahs
-Allahs Segen und Frieden auf ihm-, und im Wetteifer, dass einer unter ihnen
die Leitung im Gebet übernimmt.“

[Ende des Zitats
aus „Al-Umm“ (1/314)]

Und Imam Ar-Rami
-möge Allah ihm barmherzig sein- sagte, nachdem er die Worte von Imam
Asch-Schafiˈi -möge Allah ihm barmherzig sein- erwähnt hat:
„Zu der Zeit wurde kein Imam ernannt, der das Volk anführt. Wenn einer von
ihnen sich im Gebet vor die Leute gestellt hätte, um sie zu leiten, so würde
er alles andere auch übernehmen, so auch die Nachfolge (Khilafah).“

[Ende des Zitats
aus „Nihayatu Al-Muhtaj“ (2/428)]

Der dritte
Grund:
„Das Wetteifern der Prophetengefährten -möge Allah mit ihnen zufrieden
sein-, um den besonderen Segen des Gebets für den Propheten -Allahs Segen
und Frieden auf ihm- zu erlangen, indem sie es alleine verrichten, ohne
dabei hinter einem Vorbeter zu stehen. Niemand von ihnen hat es angenommen,
dass sich jemand im Gebet zwischen ihn und den Propheten -Allahs Segen und
Frieden auf ihm- stellt, um eben diese Belohnung und den Segen zu bekommen.“
Imam Al-Qurtubi -möge Allah ihm barmherzig sein- sagt:
„Ein jeder von ihnen wollte den Segen für sich selbst erlangen, ohne darin
(im Gebet) jemandem zu folgen).“
[Ende des Zitats aus „Al-Jamiˈu li-Ahkami Al-Qurˈan“ (4/225)]

Schaikh Ibn
ˈUthaimin -möge Allah ihm barmherzig sein- sagt:
„Die Prophetengefährten haben einzeln für den Propheten -Allahs Segen und
Frieden auf ihm- das Totengebet verrichtet, weil es ihnen missfiel als Imam
(Vorbeter) in Anwesenheit des Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm-
genommen zu werden. Daher verrichteten sie einzeln das Gebet für ihn, erst
die Männer und dann die Frauen.“
[Ende des Zitats entnommen aus unserer Fatwa Nr. 152888]

Der vierte
Grund:
Es ist die Verehrung/Wertschätzung und die Hochachtung vor dem Propheten
-Allahs Segen und Frieden auf ihm-. Außerdem hat sich jeder von ihnen
gescheut in seiner Anwesenheit die Menschen im Gebet für ihn zu führen, da
er -Allahs Segen und Frieden auf ihm- deren Imam, Vorbeter, Führer und
Leiter war. Deswegen hat sich keiner getraut sich seiner Stellung anzunehmen
und nach seinem Ableben selbst, ohne seine Erlaubnis, seinen Platz
einzunehmen. Wie man sieht steht dieser Grund im Widerspruch zu den
vorherigen zwei, die von einigen Gelehrten angeführt wurden.

Imam Al-Bahuti
Al-Hanbali -möge Allah ihm barmherzig sein- sagt:

„Die Sunnah
bezüglich des Gebets für ihn (den Toten) ist, dass es in Gemeinschaft
verrichtet wird, aufgrund dessen, dass er -Allahs Segen und Frieden auf ihm-
und seine Gefährten es so gehandhabt haben, ausgenommen beim Totengebet für
den Propheten -Allahs Segen und Frieden auf ihm-. Dieses haben sie aus
Hochachtung ihm gegenüber ohne einen Vorbeter verrichtet.“
[Ende des Zitats aus „Scharh Muntaha Al-Iradat“ (1/357)]

Dieses sind die
Gründe, welche die Gelehrten erwähnt haben. Wir können uns auf keines davon
festlegen, das es sein kann, dass sie teilweise oder alle zusammen die edlen
Prophetengefährten dazu angeleitet haben das Totengebet für ihn -Allahs
Segen und Frieden auf ihm- einzeln zu verrichten. Es können auch andere
Gründe der Anstoß dafür gewesen sein. Allah weiß es am besten.

In der Antwort
auf die Frage Nr. (152888) wurde über die Erlaubnis
gesprochen, dass das Totengebet einzeln verrichtet werden kann und die
Verrichtung in der Gemeinschaft dabei die Sunnah widerspiegelt und weder
obligatorisch ist, noch eine Voraussetzung für die Gültigkeit des Gebets
darstellt.

Und Allah weiß
es am besten.