Was ist die islamische Beurteilung über das Sprechen von Bittgebeten für alles Mögliche, was man sich wünscht und was einem das Herz erfreut, egal, ob es dabei um eine große oder eine kleine Sache geht? Wie z.B. das Bittgebet, dass meine Fußballmannschaft gewinnen möge. Ich frage, weil ich fürchte, dass solche Bittgebete evtl. Sünden oder das Zertrennen von Verwandtschaftsbande enthalten.

Alles Lob gebührt
Allah.

Erstens:

Es ist nicht
erlaubt, Allah den Erhabenen um alles zu bitten, was die eigenen Gelüste und
Neigungen sich wünschen und erhoffen, dass es in Erfüllung geht. Dies, da
einige dieser Dinge islamisch verboten sind, den Zorn Allahs auf sich ziehen
und es somit verboten ist, diese Dinge zu erfragen. Und wie viele Dinge gibt
es, die die Seele sich wünscht, deren Erfüllung jedoch ihr Verderben bedeuten
würde.

Zweitens:

Im Grunde
genommen ist es kein Problem, Fußball zu spielen, solange es dabei nicht
zu islamisch verbotenen Dingen kommt, wie z.B. dem Entblößen der
(entsprechend islamischer Regelung) zu bedeckenden Körperteile (‘Awrah),
dem Verpassen des Gemeinschaftsgebets, dem Fördern von Patriotismus und
Fanatismus wie in der Zeit der vorislamischen Unwissenheit oder dem Zahlen von
Geldbeträgen durch die Spieler oder eine außenstehende Partei.

Siehe die
Antworten auf die Fragen Nr. (22305) und Nr. (75644).

Ebenfalls ist es
kein Problem, dem Spiel zuzusehen, wenn es frei von islamisch verbotenen Dingen
ist.

Siehe die Antwort
auf die Frage Nr. (95280).

Jedoch kommt es
beim Fußball in den meisten Fällen zu islamisch verbotenen Dingen.

Drittens:

Das Anfeuern
einer Fußballmannschaft, dass man mit dem Herzen an dieser hängt,
auf ihren Sieg hofft und die Freude über diesen, die Wut und Traurigkeit über
die Niederlage der Mannschaft: all dies sollte der Muslim lassen und sich nicht
damit beschäftigen. Denn es ist von den gegenstandslosen Dingen, die ihn
in den meisten Fällen vom Gedenken Allahs und dem Gebet abhalten und die
zwischen den Menschen Feindschaft und Hass säen. Nur wenige bleiben vom
Schlechten und von den verbotenen Verlockungen (Fitan) in dieser Sache
verschont.

Ibn ‘Uthaimiin
(möge Allah ihm barmherzig sein) wurde über folgendes befragt:

Viele der Brüder
–möge Allah sie rechtleiten- schauen Fußballspiele im Fernsehen und
sagen: „Es ist nichts dabei“, wobei wir doch wissen, dass bei diesen Spielen
die zu bedeckenden Körperteile (‘Awrah) offen gezeigt werden, und vor
allem bei den Spielen, die Außerhalb des Königreichs (Saudi-Arabien)
stattfinden. Auch befinden sich im Stadion Frauen (gemischt mit Männern).
Leider sind einige dieser Brüder praktizierende Muslime (Multasimiin), die
damit argumentieren, dass sie das Spiel nur verfolgen, um es anzusehen, nicht,
um eine Mannschaft anzufeuern, oder aus Begeisterung für sie.

Ibn ’Uthaimiin
(möge Allah ihm barmherzig sein) antwortete:

„Tatsächlich
sind einige Leute mit dem, auf das du hingewiesen hast, geprüft, und es wurde
für sie zu einer starken Leidenschaft –ich meine das Schauen von
(Fußball-) Spielen-. Es geht sogar soweit, dass einige deswegen eventuell
das Gemeinschaftsgebet lassen. Und es ist kein Geheimnis, dass wenn eine Person
wegen dieser Sache das Gemeinschaftsgebet lässt, sie eine Sünde begeht und
ungehorsam (gegenüber Allah) ist. Dies, da das Gemeinschaftsgebet eine Pflicht
ist. Wenn wir aber einmal annehmen, dass eine Person (zum Schauen eines Spiels)
sitzt, nachdem sie das Nachtgebet (Al-‘Ishaa) gebetet hat, so sagen wir in
diesem Fall: Auch wenn sie von einer Sünde verschont bleiben sollte, so ist ihr
Sitzen (zum Schauen eines Spiels) nutzloser Zeitvertreib. Jedoch glaube ich
nicht, dass sie von Sünde verschont bleibt, aufgrund folgender Dinge:

Erstens: Da diese
Person ihre Zeit nutzlos verschwendet. Und Zeit ist teurer als materieller
Besitz und für einen klugen Menschen wertvoller als Geld. Deswegen sagt Allah
der Erhabene (in der ungefähren Bedeutung auf deutsch): „Wenn dann der Tod
zu einem von ihnen kommt, sagt er: ‚Mein Herr, bringt mich zurück, (99) auf
daß ich rechtschaffen handele in dem, was ich hinterlassen habe‘.“
(Qur’an 23:99-100) Diese Aussage weist darauf hin, dass eine Person bereuen
wird, was sie verschwendete an Dingen, die nicht für das Wohlgefallen Allahs
des Mächtigen und Majestätischen verwendet wurden.

Zweitens: Es (das
Schauen von Spielen) bewirkt, dass das Herz der jeweiligen Person an diesem
hängt. Wenn sie sich selbst aber davon (vom Schauen von Spielen)
entwöhnen würde, so wäre es ihr dann nicht wichtig. So wie es unter
den Menschen bekannt ist: Diejenigen, die diese Spiele nicht ansehen,
interessieren diese nicht. Wenn sie Nachrichten sehen und dann diese Spiele
kommen, schalten sie den Fernseher aus. Wenn eine Person aber beginnt, diese
Spiele anzusehen, so hängt sie ihr Herz daran, gewöhnt sich an sie,
und ihre Liebe zu diesen Spielen wird zur Leidenschaft.

Drittens:
Vielleicht gewinnt in diesen Spielen, wer ungläubig ist oder einer, der
große Sünden begeht, und im Herzen der diese Spiele schauenden Person
wird die Bewunderung, Zuneigung und Loyalität zu ihm gesät. Und das
ist gefährlich.

Viertens: Derjenige,
der diese Spiele schaut, wird Geld verschwenden, indem er für den Fernseher und
ebenso die Lichter an dem Platz, an dem er sich (zum Schauen) aufhält, den
Strom bezahlt. Es kann sein, dass dies viel Geld kostet.

Deshalb ist meine
Meinung, dass das Schauen dieser (Fußball-) Spiele etwas an Torheit an
sich hat. Und es beinhaltet etwas an Gefahr für den Menschen. Deshalb ziemt es
sich für dich, der du konsequent bist, dass du diese (Fußball-) Spiele
nicht schaust“.

(Aus: Liqaa
Al-Baab Al-Maftuuh, 11/35, Seitenangabe der Shaamilah-Bibliothek)

Siehe auch die
Antwort auf die Frage Nr. (22636).

Viertens:

Aufgrund des
zuvor Erwähnten erscheint uns, dass es nicht den islamischen Regelungen
entspricht, dass jemand sich mit diesem Spiel (Fußball) befasst, so dass
es zu einer ihn beschäftigenden Wichtigkeit wird und er eine Mannschaft
hat, mit der sein Herz beschäftigt ist (und sich ständig darum
kümmert,) ob sie gewinnen oder verlieren wird.

Und es erscheint
uns, dass es nicht den islamischen Regelungen entspricht, Bittgebete für den
Sieg oder die Niederlage einer Mannschaft zu machen, da es in diesem Spiel
–entsprechend dem bekannten Zustand der spielenden Mannschaften- viele
Verletzungen der islamischen Gesetze und Regelungen gibt.

Dass die
Übertretung der Regelungen zu Bittgebeten ein Grund dafür ist, dass diese
nicht angenommen werden, bedeutet nicht, dass dann allgemein alle Bittgebete
nicht angenommen werden, sondern, dass nur das Bittgebet nicht angenommen wird,
bei dem diese Regelungen nicht eingehalten wurden.

Und Allah
weiß es am besten.