Die Demut im Gebet

Die Demut im Gebet

 Der Gottesdiener ist seinem Herrn in der Niederwerfung am nächsten.

Die Demut im Gebet ist das wahre Wesen und der Kern des Gebets. Demut im Gebet bedeutet, während des Gebets mit dem Herzen bei Allah zu sein, indem man sich Ihm unterwirft, sich Ihm willig ergibt und die Bedeutungen der Verse, Bittgebete und Gedenkworte versteht und im Herzen fühlt.

Die Demut im Gebet gehört zu den größten und bedeutendsten Gottesdiensten und Gehorsamshandlungen gegenüber Allah. Aus diesem Grund betonte Allah in Seinem Buch nachdrücklich, dass Demut im Gebet zu den Eigenschaften gehört, die einen wahren Gläubigen auszeichnen.

Allah, der Majestätische und Höchste sagte: Den Gläubigen wird es ja wohl ergehen, denjenigen, die in ihrem Gebet demütig sind. (Sure 23 al-Muʾminūn Vers 1-2) Und wer die Demut im Gebet erlebt und durchlebt, der wird den süßen Genuss kosten, der im Gottesdienst und im Glauben enthalten ist. Deshalb sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm): „Meine Augenweide ist das Gebet.“ (Nasāʾī Hadith Nr. 3940) Denn „Augenweide“ bedeutet, dass man die höchste Form von Freude und Glückseligkeit fühlt. Es bedeutet, dass man ein vertrautes Gefühl und Genuss empfindet.

Mittel, die dabei helfen, Demut im Gebet zu erlangen:

Es gibt viele Mittel, die helfen, dass man Demut im Gebet entwickelt. Dazu gehören:

  1. Sich richtig auf das Gebet vorbereiten:

Das beinhaltet, dass man sich früh auf das Gebet vorbereitet. Für Männer gilt, dass sie sich frühzeitig in die Moschee begeben sollen. Außerdem sollte man die freiwilligen Sunna-Gebete verrichten, die es vor dem Pflichtgebet gibt. Man sollte schöne und angemessene Kleidung für das Gebet tragen. Auch sollte man in Ruhe und Gelassenheit zum Gebet gehen.

  1. Alle Ablenkungen und störenden Faktoren entfernen:

So sollte man nicht vor einem Gegenstand beten, der den Betenden im Gebet beschäftigen könnte, wie etwa Bilder oder andere Ablenkungen. Ebenso sollte der Betende nicht in der Nähe von Stimmen und Geräuschen beten, die ihn während des Gebets ablenken könnten. Außerdem darf man sich nicht zum Gebet begeben, während man ein Bedürfnis hat, zur Toilette zu gehen. Genauso gilt, dass man nicht hungrig oder durstig beten darf, wenn Essen und Trinken bereitstehen. All das muss beachtet werden, damit der Betende seine Gedanken sammeln und sich auf das Wichtigste konzentrieren kann; und das ist das Gebet und das vertrauliche Gespräch mit seinem Herrn.

  1. Die Bewegungsabläufe des Gebets vollständig und in einer ruhigen und entspannten Weise ausführen:

Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) hat immer in der Verbeugung und in der Niederwerfung eine ruhige und entspannte Stellung eingenommen, sodass er jedem Knochen und Wirbel die Möglichkeit gab, zur Ruhe zu gelangen. Und er befahl jemanden, der das Gebet auf eine schlechte Weise verrichtet hatte, in allen Bewegungsabläufen des Gebets eine ruhige und entspannte Stellung einzunehmen. Allahs Gesandter (Allahs Segen und Friede auf ihm) verbot Eile und Hektik im Gebet und verglich diese Tat mit dem Picken eines Rabens auf dem Boden.

Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte: „Der schlimmste Dieb ist derjenige, der von seinem Gebet stiehlt.“ Darauf fragten sie (die Gefährten): „O Gesandter Allahs, wie kann jemand von seinem Gebet stehlen?“ Er sagte: „Indem er die Verbeugung (rukūʿ) und die Niederwerfung (suǧūd) nicht vollständig ausführt.“ (Aḥmad Hadith Nr. 22642)

Derjenige, der in seinem Gebet keine ruhige und entspannte Stellung einnimmt, der kann auch keine Demut im Gebet haben. Denn die Hektik entzieht die Demut und das Picken wie ein Rabe entzieht die Belohnung.

  1. An die unermessliche Größe Desjenigen zu denken, vor Dem man im Gebet steht:

So ruft sich der Betende die unermessliche Größe und Erhabenheit des Schöpfers ins Bewusstsein. Gleichzeitig erkennt er, wie schwach und hilflos er doch eigentlich ist. Und er weiß, dass er nun vor seinem Herrn stehen und mit Ihm ein vertrauliches Gespräch führen wird. Ein Gespräch voller Hingabe, Ergebenheit und Niedergeschlagenheit vor Allah. Er erinnert sich an die Belohnung, die Allah im Jenseits für die Gläubigen vorbereitet hat, und denkt an die Strafe, die Allah für die Beigeseller bestimmt hat. Und er führt sich vor Augen, wie er im Jenseits vor Allah stehen wird.

Wenn sich der Gläubige während des Gebets all das in Erinnerung bringt, dann wird er sicherlich zu denen gehören, die Allah in Seinem edlen Buch damit beschrieben hat, dass sie davon überzeugt sind, dass sie ihrem Herrn begegnen werden.

Allah, der Erhabene sagte:

Es (das Gebet) ist freilich schwer, nur nicht für die Demütigen, die daran glauben, dass sie ihrem Herrn begegnen werden, und dass sie zu Ihm zurückkehren. (Sure 2 al-Baqara Vers 45-46) Wenn der Betende daran denkt, dass Allah, der Erhabene ihn gerade hört, ihm alles gewähren und ihn sicher erhören wird, dann wird er Demut im Gebet entwickeln. Und je intensiver er sich das bewusst macht, desto stärker wird seine Demut sein.

  1. Das Nachsinnen und Nachdenken über die rezitierten Verse und die gesprochenen Gedenkworte des Gebets sowie im Gebet aktiv auf die Verse reagieren:

Der edle Koran wurde herabgesandt, damit man über die Verse nachsinnt und nachdenkt. Allah, der Erhabene sagte: (Dies ist) ein gesegnetes Buch, das Wir zu dir hinabgesandt haben, damit sie über seine Zeichen nachsinnen und damit diejenigen bedenken, die Verstand besitzen. (Sure 38 Ṣād Vers 29) Es ist nicht möglich, über den Koran nachzusinnen, außer wenn man Wissen darüber hat, was die Verse, die Gedenkworte und die Bittgebete, die im Gebet gelesen werden, eigentlich bedeuten. Wenn man die Bedeutungen versteht, dann kann man einerseits den eigenen Zustand betrachten und die Realität, in der man sich befindet. Und dann kann man andererseits diesen Zustand und diese Realität mit den Bedeutungen der rezitierten Verse und gesprochenen Gedenkworte vergleichen. Tut man das intensiv, erlangt man Demut und Unterwerfung im Gebet. Und man fühlt sich im Herzen berührt. Vielleicht sogar laufen den Betenden aus Rührung Tränen aus den Augen. Es werden keine Verse mehr rezitiert, ohne dass sie den Gläubigen im Herzen tief bewegen. In diesem Moment ist es so, als ob der Betende nichts hören und nichts sehen kann, außer Allahs Zeichen. Allah, der Erhabene sagte: Und diejenigen, die, wenn sie mit den Zeichen ihres Herrn ermahnt werden, ihnen gegenüber nicht taub und blind niederfallen. (Sure 25 al-Furqān Vers 73)