Die Pilgerfahrt (al-Ḥaǧǧ)

Die Bedeutung der Pilgerfahrt

Die Pilgerfahrt bedeutet, sich zum Heiligen Haus Allahs in Mekka zu begeben, um die Riten der Pilgerfahrt durchzuführen. Riten sind religiöse Handlungen und Worte, die uns der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) zu tun gelehrt hat, wie z. B. das Eintreten in den Pilgerzustand (iḥrām), das siebenmalige Umrunden der Kaaba (ṭawāf), das siebenmalige Gehen zwischen den beiden Hügeln „aṣ-ṣafā“ und „al-marwah“(saʿy), das Stehen im Gebiet von ʿArafah, das Werfen der kleinen Steine im Tal Mina bei Mekka (ramy-l-ǧamarāt) usw.

Bei der Pilgerfahrt erfahren die Pilger viel Nutzen: Sie bezeugen immer wieder die Einzigkeit Allahs, Allah vergibt den Pilgern ihre Sünden, Muslime aus aller Welt kommen zusammen und lernen sich kennen, die Pilger eignen sich Wissen über die Vorschriften ihrer Religion an usw.

Die Zeit für die Pilgerfahrt: Die Handlungen der Pilgerfahrt finden hauptsächlich zwischen dem 8. und dem 13. Tag des Monats Ḏu-l-Ḥiǧǧah statt. Der Monat Ḏu-l-Ḥiǧǧah ist der zwölfte Mondmonat des islamischen Kalenders.

Wer ist zur Pilgerfahrt verpflichtet?

Damit die Pflicht zur Pilgerfahrt überhaupt besteht, wird vorausgesetzt, dass der Muslim imstande sein muss, sie zu unternehmen und zudem zurechnungsfähig ist, d. h. geistig gesund und geschlechtsreif.

Was das Imstandesein bedeutet:

Jemand ist zur Pilgerfahrt imstande, wenn es ihm möglich ist, die Reise zum Heiligen Haus Allahs auf regulären und legalen Wegen anzutreten. Ebenfalls muss er die Riten der Pilgerfahrt ohne unzumutbare Beschwernisse und Belastungen durchführen können, sodass die Pilgerfahrt keine größere Härte für ihn darstellt als die gewöhnlichen Anstrengungen bei einer Reise. Die Pilgerfahrt darf keine Gefahr für die Sicherheit seines Lebens oder seines Wohlstands mit sich bringen. Außerdem muss er über genug finanzielle Mittel verfügen, welche die Kosten der Pilgerfahrt, des eigenen Grundbedarfs und des Unterhalts für seine zurückgebliebenen Familienmitglieder, zu deren Unterhalt er verpflichtet ist, übersteigen.

 In welchen Fällen ist der Muslim imstande, die Pilgerfahrt zu vollziehen, und in welchen nicht?

  1. Der Muslim ist imstande, die Pilgerfahrt persönlich zu unternehmen. Das heißt, er ist in der Lage, in eigener Person die Reise zum Heiligen Haus Allahs anzutreten, ohne dabei ungewöhnlich große Belastungen zu erleiden, und er besitzt genügend Geld. In diesem Fall muss er die Pilgerfahrt-Pflicht erfüllen und sie persönlich durchführen.
  2. Der Muslim ist imstande, die Pilgerfahrt nicht persönlich, sondern durch einen beauftragten Vertreter zu unternehmen. Bei diesem Muslim handelt es sich um jemanden, der aufgrund von Krankheit oder hohem Alter nicht in der Lage ist, die Pilgerfahrt persönlich durchzuführen. Jedoch kann er jemanden finden, der für ihn die Pilgerfahrt vollziehen würde. Auch verfügt der kranke oder altersschwache Muslim über die finanziellen Mittel, um dem beauftragten Vertreter die Kosten für die Pilgerfahrt zu zahlen. In diesem Fall ist er verpflichtet, für die Kosten des beauftragten Vertreters aufzukommen, damit dieser für ihn die Pilgerfahrt unternehmen kann.
  3. Der Muslim ist weder imstande die Pilgerfahrt persönlich noch durch Vertretung durchzuführen. Für ihn ist die Pilgerfahrt keine Pflicht, solange er nicht dazu imstande ist. Ein Beispiel hierfür ist jemand, der nicht über genügend finanzielle Mittel verfügt, die den eigenen Lebensbedarf und den Unterhalt für seine Familie übersteigen, um zusätzlich die Pilgerfahrt durchzuführen.

Man ist nicht verpflichtet, Geld zu sparen, um die Pilgerfahrt zu unternehmen. Vielmehr ist man erst dann zur Pilgerfahrt verpflichtet, sobald man die Möglichkeit hat.

Für die Frau ist die Reisebegleitung eines nahen männlichen Verwandten (maḥram) eine Voraussetzung für die Erlaubnis zur Pilgerfahrt

Damit für eine Frau die Pflicht zur Pilgerfahrt überhaupt besteht, wird vorausgesetzt, dass sie einen nahen männlichen Verwandten (maḥram) hat, der sie begleitet. So ist für eine Frau die Pilgerfahrt keine Pflicht, außer wenn sie einen nahen männlichen Verwandten hat, der mit ihr zur Pilgerfahrt kommt. Als maḥram gilt der Ehemann oder ein naher Verwandter der Frau, mit dem die Heirat für immer ausgeschlossen ist, wie z. B. Vater, Großvater, Sohn, Enkel, Brüder, Söhne der Geschwister, Onkel väterlicherseits und Onkel mütterlicherseits (siehe Seite 238).

Wenn die Frau dennoch die Pilgerfahrt ohne einen maḥram unternimmt, auf eine Weise, die für sie sicher ist, so ist ihre Pilgerfahrt gültig. Sie kann sich mit dieser Pilgerfahrt begnügen und braucht sie nicht zu wiederholen. Allerdings muss sie sich Allah in aufrichtiger Reue zuwenden, da sie mit dem Reisen ohne nahen männlichen Verwandten eine Sünde begangen hat.

  • Hast du genügend Geld und bist körperlich imstande, um die Pilgerfahrt durchzuführen?
    • Ja => Du bist verpflichtet, die Pilgerfahrt selbst durchzuführen.
    • Nein => Hast du genügend Geld, aber bist aufgrund einer chronischen Erkrankung oder aufgrund von Altersschwäche nicht körperlich imstande, um die Pilgerfahrt durchzuführen?
      • Ja => Du hast die Pflicht, Geld für die Beauftragung einer Person aufzuwenden, damit sie für dich die Pilgerfahrt unternimmt.
      • Nein => Wenn du nicht über genug finanzielle Mittel für die Pilgerfahrt, für deinen eigenen Grundbedarf und für den Grundbedarf deiner Familie verfügst, zu deren Unterhalt du verpflichtet bist, so besteht für dich in diesem Fall keine Pflicht, die Pilgerfahrt durchzuführen. Ebenso bist du nicht dazu verpflichtet, Geld für die Pilgerfahrt zu sparen.