Was bedeutet Gottesdienst

Gottesdienst oder gottesdienstliche Handlung umfasst alles, was Allah liebt und zufriedenstellt, seien es Worte oder Taten, die Er den Menschen befohlen oder empfohlen hat. Dazu zählen sowohl die sichtbaren Handlungen, wie z.B. das Gebet, die soziale Abgabe usw. als auch die verborgenen Handlungen wie die Liebe zu Allah und Seinem Gesandten (Allahs Segen und Friede auf ihm), die Angst vor Allah, das Vertrauen auf Allah, das Hilfegesuch an Allah usw.

 

Gottesdienst in allen Bereichen des Lebens:

Der Gottesdienst umfasst alle Handlungen eines Gläubigen, sofern er beabsichtigt, dadurch Allah nahe zu kommen. Der Gottesdienst im Islam ist nicht auf einige bekannte religiöse Riten beschränkt, wie z.B. das Gebet, das Fasten usw. Im Islam werden alle nützlichen Taten, die mit einer rechtschaffenen und reinen Absicht vollbracht wurden, als Gottesdienst gezählt, für die man hoch belohnt wird. Wenn ein Muslim isst, trinkt oder schläft, wobei er die Absicht hat, sich dadurch für eine gottgefällige Tat zu stärken, so wird er dafür belohnt. Deshalb lebt der Muslim sein gesamtes Leben für Allah. Wenn er isst, dann tut er das, um zu Kräften zu kommen, damit er Taten ausführen kann, womit er Allah gegenüber Gehorsam leistet. Sein Einnehmen der Mahlzeit ist aufgrund dieser Absicht zu einem Gottesdienst geworden. Wenn der Muslim heiratet und dabei beabsichtigt, keusch zu bleiben und sich dadurch vor Verbotenem zu schützen, dann wird ihm die Heirat als Gottesdienst gezählt. Mit solch einer Absicht wird jedem Muslim, der Handel treibt, seinen Beruf ausübt, Geld verdient, sich Wissen aneignet, einen Abschluss anstrebt, Forschung betreibt, wissenschaftliche Entdeckungen und Erfindungen macht, diese Handlung als Gottesdienst gutgeschrieben. Und dass sich die Frau um ihren Ehemann, ihre Kinder und ihr Haus kümmert, wird ihr ebenso als Gottesdienst angerechnet. Das gilt für jeden Bereich ihres Lebens, für alles, was sie tut. Das gilt auch für ihre wertvollen Aufgaben und sie betreffende Angelegenheiten, solange sie eine rechtschaffene und reine Absicht hat.

Der Gottesdienst ist die Weisheit, weshalb Allah alles Existierende erschuf:

Allah, der Erhabene sagte: Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur (dazu) erschaffen, damit sie (einzig und allein) Mir dienen. Ich will weder von ihnen irgendeine Versorgung, noch will Ich, dass sie Mir zu essen geben. Gewiss, Allah ist der Versorger, der Besitzer von Kraft und der Feste. (Sure 51 aḏ-Ḏāriyāt Vers 56-58)

Allah, Preis sei Ihm, teilte uns mit, dass die Weisheit, die hinter der Erschaffung von Dschinn und Menschen steckt, ihr Verrichten von gottesdienstlichen Handlungen für Allah ist. Allah ist auf ihren Gottesdienst nicht angewiesen, sondern sie, die Menschen und die Dschinn, sind auf Allahs Gottesdienst angewiesen, weil sie Allah brauchen.

Wenn der Mensch dieses edle Ziel vernachlässigt und sich den weltlichen Genüssen hingibt, ohne an die göttliche Weisheit zu denken, weshalb er eigentlich erschaffen worden ist, so wird aus diesem großartigem Geschöpf etwas, was sich nicht viel von anderen Lebewesen dieses Planeten unterscheidet. Denn auch Tiere essen, trinken und vergnügen sich. Im Jenseits werden sie aber nicht zur Rechenschaft gezogen werden – ganz im Gegensatz zum Menschen. Allah, der Erhabene sagte: Diejenigen aber, die ungläubig sind, genießen und essen (im Diesseits), wie das Vieh frisst; das (Höllen)feuer wird ein Aufenthaltsort für sie sein. (Sure 47 Muḥammad Vers 12) In ihren Handlungen und ihren Zielen sind sie den Tieren sehr ähnlich. Allerdings werden sie ihren Lohn für ihr Tun erhalten, weil sie einen Verstand besitzen, den sie, im Gegensatz zu den Tieren, nutzen und mit dem sie begreifen können.

Säulen des Gottesdienstes:

Der Gottesdienst, der uns von Allah auferlegt wurde, hat zwei wichtige Fundamente.

Das erste Fundament: Vollkommene Demut und Angst.

Das zweite Fundament: Die vollkommene Liebe zu Allah, Preis sei Ihm.

Der Gottesdienst, der uns von Allah auferlegt wurde, muss von vollkommener Demut und Unterwerfung gegenüber Allah und von Angst vor Ihm erfüllt sein. Gleichzeitig muss der Gottesdienst aus vollkommener und unübertrefflicher Liebe sowie aus Begehren und Hoffnung bestehen.

Demgemäß ist Liebe, die nicht von Angst oder Unterwerfung begleitet wird – wie etwa die Liebe zum Essen oder zum Geld, kein Gottesdienst. Genauso gilt Angst ohne Liebe – wie etwa die Angst vor einem Raubtier oder einem ungerechten Herrscher – nicht als Gottesdienst. Werden Angst und Liebe in einer Handlung miteinander vereint, dann handelt es sich um Gottesdienst. Und Gottesdienst darf einzig für Allah verrichtet werden.

Voraussetzungen des Gottesdienstes:

Damit ein Gottesdienst überhaupt gültig ist und angenommen wird, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt werden.

 

Die aufrichtige Absicht, den Gottesdienst einzig für Allah zu verrichten, ohne Ihm hierbei einen Teilhaber beizugesellen.

Die Übereinstimmung mit der Sunna und das Befolgen der Sunna des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm).

Allah, der Erhabene sagte : Aber nein! Wer sich Allah völlig hingibt und dabei Gutes tut, dessen Lohn steht für ihn bei seinem Herrn. Und sie soll keine Furcht überkommen, noch sollen sie traurig sein. (Sure 2 al-Baqara Vers 112)

Mit „sich Allah völlig hingibt“ ist gemeint, dass man den Glauben an die Einzigkeit Allahs erfüllt, indem man seine gottesdienstlichen Handlungen einzig an Allah richtet.

Die Übereinstimmung mit der Sunna des Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm) gilt nur für rein gottesdienstliche Handlungen, wie das Gebet, das Fasten, das Gedenken Allahs usw. Was aber unter dem allgemeinen Begriff Gottesdienst fällt, wie Gewohnheiten und Handlungen, bei denen der Diener eine gute Absicht fasst, um dafür den Lohn von Allah zu erhalten, wie etwa Sport treiben, um sich dadurch für eine gottgefällige Tat zu stärken, so muss diese Handlung nicht unbedingt mit der Sunna übereinstimmen. Es reicht vollkommen, wenn man dabei nicht gegen islamische Vorschriften verstößt und keine Sünde begeht.