Welche empfohlenen, freiwilligen Gebete gibt es?

Welche empfohlenen, freiwilligen Gebete gibt es?

Der Muslim ist nur dazu verpflichtet, die fünf Pflichtgebete im Verlaufe jeweils eines Tages und einer Nacht zu verrichten.

Allerdings legt der Islam dem Muslim ans Herz, freiwillige, empfohlene Gebete zu vollbringen. Denn ihre Verrichtung ist ein Grund dafür, weshalb Allah Seinen Diener liebt. Außerdem vervollständigen diese islamisch empfohlenen Gebete diejenige Pflichtgebete, die auf eine unvollständige Weise verrichtet wurden.

Es gibt sehr viele freiwillige Gebete. Die Wichtigsten sind Folgende:

  1. Die sunan ar-rawātib. Das sind freiwillige Gebete, die jeweils zu den Pflichtgebeten verrichtet werden. Sie wurden rawātib genannt, weil sie an die Pflichtgebete geordnet, mit ihnen verbunden sind und von einem Muslim nicht unterlassen werden sollten.

Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte: „Es gibt keinen muslimischen Diener Allahs, der täglich zwölf Gebetseinheiten (rakaʿāt) neben den Pflichtgebeten freiwillig verrichtet, außer dass Allah für ihn ein Haus im Paradies errichtet.“ (Muslim Hadith Nr. 728)

Diese täglichen zwölf Gebetseinheiten sind Folgende:

1 Zwei freiwillige Gebetseinheiten vor dem Morgendämmerungsgebet (faǧr).
2 Vier freiwillige Gebetseinheiten vor dem Mittagsgebet (ẓuhr), wobei man jeweils nach zwei Gebetseinheiten das Gebet beendet. Und zusätzlich zwei weitere Gebetseinheiten, die man nach dem Mittagsgebet verrichtet.
3 Zwei freiwillige Gebetseinheiten nach dem Sonnenuntergangsgebet (maġrib).
4 Zwei freiwillige Gebetseinheiten nach dem Nachtgebet (ʿišāʾ)
  1. Das witr-Gebet. Es wurde witr (ungerade) genannt, weil das Gebet aus einer ungeraden Zahl an Gebetseinheiten besteht. Das witr-Gebet ist das vorzüglichste aller freiwilligen Gebete. Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte: „So verrichtet das witr-Gebet, ihr Leute des Korans!“ (Tirmiḏī Hadith Nr. 453 und Ibn Māǧah Hadith Nr. 1170)

Die beste Zeit für das witr-Gebet ist im letzten Teil der Nacht. Es ist dem Muslim auch erlaubt, das witr-Gebet jederzeit nach Beendigung des Nachtgebets (ʿišāʾ) bis zum Aufbruch der Morgendämmerung zu verrichten.

Die Anzahl für das witr-Gebet ist unbegrenzt. Die Mindestanzahl an Gebetseinheiten ist eine Gebetseinheit. Jedoch ist es besser, drei Gebetseinheiten zu verrichten. Man kann auch zusätzliche Gebetseinheiten beten, so viele man möchte. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) pflegte das witr-Gebet mit elf Gebetseinheiten zu verrichten.

Grundsätzlich bestehen freiwillige Gebete aus jeweils zwei Gebetseinheiten. Das heißt, man sollte je zwei Gebetseinheiten beten, dann mit dem Friedensgruß das Gebet beenden, dann ein weiteres Gebet aus zwei Gebetseinheiten verrichten usw. Das gilt ebenfalls für das witr-Gebet. Das letzte Gebet wird mit nur einer Gebetseinheit verrichtet. In dieser letzten Gebetseinheit ist es erwünscht, dass man nach dem Wiederaufrichten aus der Verbeugung und vor der Niederwerfung kurz stehen bleibt und die Gedenkworte spricht, die für diese Stellung authentisch überliefert worden sind. Darauf hebt man seine Hände und spricht beliebige Bittgebete, die man an Allah, den Erhabene wendet. Dieses inständige Bittgebet wird duʿāʾ al-qunūt genannt.

Zeiten, an denen das Verrichten von freiwilligen Gebeten verboten ist:

Es ist dem Menschen erlaubt, jederzeit und grenzenlos freiwillige Gebete zu verrichten. Eine Ausnahme gilt für Zeiten, bei denen der Islam das Verrichten von Gebeten untersagt hat. Der Grund hierfür ist die Tatsache, dass zu diesen Zeiten die Gottesdienste der Ungläubigen stattfinden. Deshalb darf in diesen Zeiten nicht gebetet werden; außer in Ausnahmefällen, wie z. B. für das Nachholen von versäumten Pflichtgebeten oder für das Verrichten von freiwilligen Gebeten, die einen triftigen Grund haben, beispielsweise das Begrüßungsgebet beim Betreten der Moschee. Das Verbot, an bestimmten Zeiten nicht beten zu dürfen, gilt jedoch nur für das rituelle Gebet. Das Gedenken Allahs und das Richten von Bittgebeten an Ihn dürfen immer und zu jeder Zeit vollbracht werden.

Die Zeiten, an denen das Verrichten von freiwilligen Gebeten verboten ist, werden im Folgenden aufgezählt:

1 Nach dem Morgendämmerungsgebet (faǧr) bis die Sonne aufgeht und sie über den Horizont eine Höhe erreicht, die im islamischen Recht mit der Länge eines Speeres festgelegt wurde. In Ländern mit gemäßigtem Klima wird diese Höhe ca. 20 Minuten nach Sonnenaufgang erreicht.
2 In der Mittagszeit, wenn die Sonne den höchsten Punkt im Himmel (Zenit) erreicht hat, bis sie sich neigt und sich wieder von ihm entfernt. Diese Zeitspanne ist ziemlich kurz und tritt vor Beginn der Gebetszeit für das Mittagsgebet (ẓuhr) ein.
3 Nach der Verrichtung des Nachmittagsgebets (ʿaṣr), bis die Sonne untergegangen ist.